Diagnostics-as-a-Service: Labordiagnostik als Infrastruktur
Diagnostics-as-a-Service (DaaS) bezeichnet ein Infrastruktur-Modell, bei dem Labordiagnostik – Probenahme, Logistik, Laborauswertung und Ergebnislieferung – als integrierter Service über eine einzige Plattform bezogen wird. Statt eigene Laborverträge, Logistik und Software-Integrationen aufzubauen, beziehen Anbieter den kompletten Stack per API oder Portal und bringen Tests in zwei bis sechs Wochen live. Probatix betreibt diesen Stack: 25 Mio.+ verarbeitete Analysen, ISO 13485/27001-zertifiziert, akkreditierte Partnerlabore nach ISO 15189, FHIR-R4-fähig.
Wie DaaS funktioniert
Vier Stufen, vollständig orchestriert. Jede Stufe ist operativ klar abgegrenzt – damit Anbieter wissen, was sie outsourcen und was in ihrer Verantwortung bleibt.
Beauftragung
Ein Test wird angestoßen – per REST API, im Partner-Portal oder über einen white-label-fähigen Webshop. Der Anbieter entscheidet, welcher Zugangsweg zu seiner User-Journey passt. Operativ legt Probatix den Auftrag im Backend an, validiert Pflichtangaben und reserviert die Kit-Variante.
Versand
Das white-label-fähige Testkit wird EU-weit direkt an den Endnutzer versendet – mit voller Sendungsverfolgung und einer auf die Marke des Anbieters abgestimmten Verpackung. Probatix übernimmt Lagerhaltung, Konfektionierung und die Anbindung an die Logistikpartner. Es gibt kein eigenes Warenwirtschaftsthema für den Anbieter.
Laborauswertung
Die Probe geht in ein ISO 15189-akkreditiertes Partnerlabor. Probatix routet automatisch nach Kapazität, Region und Parameter-Spezifikation. Präanalytik, Validierung und ärztliche Freigabe laufen nach etablierten Standardprozessen – mit dokumentierten Qualitätskennzahlen pro Charge.
Ergebnislieferung
Der Befund wird strukturiert zurückgeliefert – als JSON über die API, als FHIR-R4-Bundle für interoperable Systeme oder über das Patientenportal. Webhooks informieren in Echtzeit über Statuswechsel. Der Anbieter entscheidet, wie das Ergebnis seinem Endnutzer präsentiert wird.
DaaS vs. eigene Laborinfrastruktur vs. Direktlabor
Drei Wege, Labordiagnostik in ein Produkt zu integrieren. Welcher passt, hängt von Volumen, Time-to-Market und der bestehenden Organisation ab.
| Kriterium | DaaS (Probatix) | Eigene Infrastruktur | Direkt-Labor-Anbindung |
|---|---|---|---|
| Time-to-Market | 2–6 Wochen bis zum Live-Betrieb | 12–24 Monate für Aufbau und Zulassung | 4–8 Wochen pro Labor-Anbindung |
| Initial-Investment | Gering – keine Hardware, keine Verträge | Hoch – Geräte, Räume, Personal, QM-System | Mittel – Integrationsprojekt pro Labor |
| Compliance-Last | Vom Anbieter getragen (ISO 13485 / 15189) | Vollständig beim Betreiber | Geteilt, Vertragsgestaltung aufwendig |
| Skalierung | Elastisch über Multi-Lab-Routing | An eigene Kapazität gebunden | Pro Labor neu zu verhandeln |
| Probenarten | Kapillarblut, Venenblut, DBS, Speichel, Urin | Wovon das eigene Labor akkreditiert ist | Je nach Vertragspartner |
| White-Labeling | Kit, Portal, Befund, Versandverpackung | Vollständig in Eigenregie | Selten möglich |
Wann sich DaaS nicht lohnt
Bei sehr hohen, gleichmäßigen Volumina mit klar abgegrenztem Parameter-Set kann ein eigenes Labor langfristig kostengünstiger sein – wenn die Organisation die regulatorische Last und das QM-System ohnehin trägt. Reine Vor-Ort-Diagnostik im Akutkontext (z. B. Notaufnahmen mit Point-of-Care-Geräten) gehört ebenfalls nicht in ein DaaS-Modell. DaaS spielt seine Stärken bei elastischen Volumina, breitem Parameter-Mix und Home-Sampling- basierten Workflows aus.
Die Bausteine eines DaaS-Stacks
DaaS ist kein einzelnes Produkt, sondern sechs zusammenarbeitende Komponenten. Jede für sich existiert auch als Einzellösung – der operative Vorteil entsteht aus ihrer Integration.
White-Label-Testkits
Individuell gebrandete Testkits inkl. Anleitung, Versandmaterial und Rücksendung. Vom Auftrag zur versandfertigen Kit-Variante in zwei Wochen.
Zur White-Label-SeiteHome Sampling & Probenarten
Kapillarblut (Tasso+, TAP Micro Select), Dried Blood Spot, Speichel, Urin. Auswahl der Probenart richtet sich nach Parameter, nicht andersherum.
Probenarten im DetailAkkreditierte Partnerlabore
ISO 15189-akkreditierte Labore mit dokumentierter Präanalytik, validierten Methoden und einheitlicher Befundstruktur über alle Standorte.
Lab-OrchestrierungAPI & FHIR-Integration
REST API für Bestellung, Status und Ergebnis. FHIR-R4-Bundle für klinische Systeme. Webhooks für Echtzeit-Statuswechsel. Integration in Tagen, nicht Monaten.
API-ÜbersichtFulfillment & Logistik
Lagerhaltung, Konfektionierung, Versand EU-weit, Rücksendelogistik, Probeneingangskontrolle. Operative Komplexität bleibt bei Probatix.
Infrastruktur ansehenPartner-Portal & Patienteninterface
No-Code-Zugang zur Plattform: Bestellung, Statusverfolgung, Ergebnisbereitstellung. Optional white-label für Endnutzer.
Plattform entdeckenFür wen ist DaaS geeignet
DaaS ist kein Vertikal-Produkt. Es ist eine Infrastruktur-Schicht, die je nach Segment unterschiedliche Probleme löst.
Digital Health & Longevity
Plattformen wie Yazen integrieren Laborwerte direkt in den Therapie- und Coaching-Workflow – ohne eigenes Labor und ohne Logistikteam.
Telemedizin
Diagnostik schließt die Lücke zwischen Video-Sprechstunde und klinischer Entscheidung. Strukturierte Ergebnisse fließen automatisch in den Behandlungspfad.
Health Apps
Biomarkerbasierte Features in Consumer-Apps – ohne dass die App-Entwicklung selbst zum Health-Tech-Unternehmen wird.
Versicherungen & Krankenkassen
Präventionsprogramme, Bonusprogramme und digitale Versorgungsangebote auf Basis valider Labordaten – datenschutzkonform und auditbereit.
Arztpraxen & MVZ
Bestehende Praxis-Workflows um Home Sampling und digitale Ergebnisbereitstellung erweitern – ohne neues LIS und ohne Eigenentwicklung.
NEM-Brands
Personalisierte Supplement- und Präventionskonzepte auf Basis tatsächlicher Biomarker, nicht auf Selbstauskunft. Höhere Adhärenz, weniger Returns.
Standards, auf denen DaaS aufsetzt
DaaS verlagert Compliance-Last nicht – es bündelt sie an der Stelle der Wertschöpfung, an der sie hingehört. Probatix arbeitet nach ISO 13485 für die Herstellung und Konfektionierung von Testkits und nach ISO 27001 für Informationssicherheit der Plattform. Die Auswertung erfolgt in ISO 15189- akkreditierten Partnerlaboren, die ihre eigene laborfachliche Verantwortung tragen.
Für den Datenschutz gilt in Deutschland und EU-weit die DSGVO. In der Schweiz wird über die Steinhausener Niederlassung nach nDSG/LPD gearbeitet, mit dedizierter Datenhaltung. Der Auftragsverarbeitungsvertrag (AV-Vertrag) regelt die Datenverarbeitung zwischen Anbieter, Probatix und den auswertenden Laboren.
MDR/IVDR-Abgrenzung: Die regulatorische Verantwortungsteilung zwischen Probatix als Plattform und dem Anbieter als Inverkehrbringer eines unter eigener Marke vertriebenen Endprodukts wird vertraglich pro Use-Case geregelt.
DaaS-Anbieter auswählen: 8 Kriterien
Eine kurze Selbst-Checkliste vor jedem RfP. Wer auf alle acht Punkte belastbare Antworten hat, hat einen DaaS-Anbieter, der wirklich Infrastruktur ist – und kein Reseller-Modell.
- 01
Akkreditierung der Partnerlabore
ISO 15189 ist für medizinische Labore der Standard. Prüfen Sie, ob die Akkreditierung den konkreten Parameter-Umfang abdeckt – nicht nur das Labor als solches.
- 02
API-Tiefe und Dokumentation
Reicht die API für Bestellung, Statustracking, Ergebnisabruf und Webhook-Handling? Gibt es eine Sandbox und versionierte Doku?
- 03
FHIR-R4-Unterstützung
Für klinische Integrationen ist FHIR der relevante Interoperabilitätsstandard. Klären Sie, welche Ressourcen unterstützt werden (Observation, DiagnosticReport, Specimen).
- 04
Probenarten-Portfolio
Kapillarblut ersetzt nicht alle Parameter. Stellen Sie sicher, dass der Anbieter venöse Workflows und alternative Probenarten anbietet, wo medizinisch nötig.
- 05
Logistikabdeckung
EU-weit ist die Untergrenze. Klären Sie Sendungsverfolgung, Rücksendelogistik, Sonderregelungen für Schweiz und nicht-EU-Länder.
- 06
White-Label-Tiefe
Welche Elemente sind anpassbar: Kit-Box, Anleitung, Versandverpackung, Patientenportal, Befund-PDF, E-Mails? Eine ehrliche Anpassungsmatrix vermeidet späte Überraschungen.
- 07
Datenschutz-Setup
AV-Vertrag, Hosting-Standort, Datentrennung zwischen Anbieter, Labor und Plattform. Im Krankenkassen-Kontext zusätzlich §-Bezug klären.
- 08
Referenzen und Reife
Gibt es belastbare Live-Implementierungen in vergleichbaren Segmenten? Time-to-Launch, Volumina und Eskalationsprozesse aus realen Projekten sind aussagekräftiger als jedes Pitch-Deck.
Diagnostics-as-a-Service: FAQ
Acht Fragen, die wir in Erstgesprächen mit potenziellen Partnern am häufigsten hören.
Was ist Diagnostics-as-a-Service (DaaS)?
Was kostet DaaS?
Wie lange dauert die Integration?
Welche Probenarten sind möglich?
Wer trägt die regulatorische Verantwortung?
Funktioniert DaaS auch ohne eigenes Entwickler-Team?
Welche Länder werden abgedeckt?
Wie unterscheidet sich DaaS von einem LIS?
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